Hospitationen und Praktika, Einstiegsqualifizierungen

Seit dem 1. August 2015 ist der Zugang zu Hospitationen und Praktika durch eine Anpassung des Aufenthaltsgesetzes und der Beschäftigungsverordnung vereinfacht worden. Eine Kurzzusammenfassung enthält ein Flyer der Bundesagentur für Arbeit.

 

a) Praktika

Praktika zur Orientierung auf eine Berufsausbildung oder ein Studium von einer Länge bis zu drei Monaten bedürfen nicht der Zustimmung durch die Bundesagentur für Arbeit, sie sind insoweit zustimmungsfrei. Das heißt, Personen mit einer Duldung können vom ersten Tag an und Personen mit einer Aufenthaltsgestattung nach drei monatigem Aufenthalt ein Praktikum beginnen, ohne Vorrangprüfung und Arbeitsbedingungsprüfung durch die Bundesargentur.

In der Vergangenheit stellte das Zustimmungsverfahren häufig ein großes Hindernis für die Aufnahme eines Praktikums dar. Ein Praktikum wird jedoch oftmals notwendig, um sich für eine Berufsausbildung zu entscheiden und wird zudem nicht selten von Ausbildungsbetrieben verlangt, bevor sie sich für eine/n Bewerber/in entscheiden. Allerdings ist die Zustimmung der Ausländerbehörde zu so einem Praktikum nach wie vor erforderlich. Das Mindestlohngesetz ist für derartige Praktika nicht einschlägig. Der neue Wortlaut des § 32 BeschV ist unter https://www.gesetze-im-internet.de/beschv_2013/__32.html zu finden. Die Gesamtdarstellung mit weiteren Informationen und Übersichtstabellen findet sich auf der Seite des Niedersächsischen Flüchtlingsrates unter Aktuelles.

 

Quelle: Niedersächsischer Flüchtlingsrat

 

b) Hospitationen

Bestimmte Tätigkeiten sind rechtlich nicht als Beschäftigung im Sinne des Aufenthaltsgesetzes einzustufen. Deswegen werden beispielsweise für sog. Hospitationen keine Arbeitserlaubnis benötigt. Diese Auffassung wurde uns auch von der Ausländerbehörde der Region Hannover (Team Zuwanderung) bestätigt. Ein Schreiben des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport stellt dar, unter welchen Voraussetzungen Hospitationen zulässig sind. Wesentliche Kennzeichen sind die fehlende Eingliederung in den Betrieb und die Unentgeltlichkeit. Hospitationen sind also gekennzeichnet durch die Sammlung von Kenntnissen und Erfahrungen in einem Tätigkeitsbereich ohne zeitliche und inhaltliche Festlegung und ohne rechtliche und tatsächliche Eingliederung in den Betrieb. § 7 Absatz 2 SGB IV stellt den Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten oder Erfahrungen im Rahmen betrieblicher Berufsbildung einer Beschäftigung gleich. Bei einer kurzzeitigen Hospitation ist jedoch nicht davon auszugehen, dass berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten erworben werden. Somit sind Hospitationen eine gute Möglichkeit, berufsbezogene Sprachkenntnisse zu vertiefen und betriebliche Prozesse und Abläufe in Deutschland kennen zu lernen.

 

Wir haben mit der Ausländerbehörde einen Mustervertrag für eine Hospitation abgestimmt, sodass wir uns auf einer ausländerrechtlich sicheren Basis bewegen. Vor diesem Hintergrund suchen wir jetzt Unternehmen in Lehrte, die bereit sind, Flüchtlingen Praktika und Hospitationen anzubieten. Bislang haben wir folgende Angebote erhalten: Klempner, Lagerist, Bildbearbeitung/Fotografie, allgemeine Bürotätigkeit, Bäckerei. Weitere Informationen und Auskünfte sind dazu bei erhältlich. Einen Bericht über die Hospitation von Marius Leon bei Detlef Zeigert in Steinwedel hat die Hannoversche Allgemeine am 5. August im Anzeiger für Lehrte veröffentlicht. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Region/Lehrte/Nachrichten/Fluechtling-Marius-Leon-von-Elfenbeinkueste-schafft-mit-Unterstuetzung-von-Initiative-Lehrte-hilft-Sprung-in-Arbeitsmarkt-hat-jetzt-Festanstellung-als-Klempner-in-Lehrter-Heizungsbaufirma

 

c) Einstiegsqualifikationen

Die Bundesagentur für Arbeit erteilt für Einstiegsqualifizierungen nach § 54 SGB III eine Globalzustimmung (Quelle: Nds. Flüchtlingsrat, s.u.). Bei der, in Betrieben durchgeführten sechs bis zwölf Monate andauernden, Einstiegsqualifizierung handelt es sich um eine Beschäftigung im Sinne des § 7 Abs. 2 SGB IV. Daher isz bei Personen mit einer Duldung oder Aufenthaltsgestattung ggf. die Zustimmung der Bundesarbeitsagentur notwendig.

Bei Personen, die unter 15 Monate Aufenthaltszeit in Deutschland haben, wäre dann eine Vorrangprüfung und eine Arbeitsbedingungsprüfung vorzunehmen. Bei Personen, die über 15 Monate jedoch unter 48 Monate in Deutschland sind, eine Arbeitsbedingungsprüfung. Mit der Globalzustimmung der Bundesarbeitsagentur fallen Vorrangprüfung und Arbeitsbedingungsprüfung bei Einstiegsqualifizierungen weg.

Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten und Personen mit Duldung am ersten Tag ihres Aufenthalts eine solche Ausbildungsvorbereitung absolvieren, ohne weitere Zustimmungsverfahren durch die Argentur für Arbeit.

Nähere Informationen zu Einstiegsqualifikationen: http://www.nds-fluerat.org/16233/aktuelles/globalzustimmung-keine-zustimmung-der-arbeitsagentur-fuer-einstiegsqualifizierung-notwendig/

 

d) Weitere interessante Links:

Zur Newsletteranmeldung:
KONTAKT
 

Lehrte hilft - Flüchtlingshilfe
Ringstraße 9
31275 Lehrte

 

Telefon (0 51 32) 33 11
Telefax (0 51 32) 92 85 3 95

Mobil & Whats App

0178 8506373
E-Mail:

 

 
 
Veranstaltung
 

Nächste Veranstaltungen:

14.12.2017 - 15:00 Uhr
 
14.12.2017 - 19:00 Uhr
 
16.12.2017 - 10:30 Uhr