Vorurteile im Faktencheck

Vorurteil: So schlecht kann es den Flüchtlingen nicht gehen, haben ja alle ein Handy!

Viele Flüchtlinge haben ein ganz normales Leben geführt, bevor sie ihr Land wegen Krieg oder Verfolgung verlassen mussten - und dazu gehört eben auch ein Handy. Außerdem ist so ein Gerät mittlerweile kein Luxusartikel mehr. In Afrika und im Nahen Osten werden sie zum Teil besonders günstig verkauft. Dort ersetzen solche Geräte oft auch die Bank, den Computer, das Radio und das Wörterbuch. Wenn die Menschen etwas auf die Flucht mitnehmen, dann ein Mobiltelefon: Das hilft ihnen, den Weg zu finden und vor allem mit der Familie und den Freunden über das Internet in Kontakt zu bleiben.
 
Vorurteil: Wir können uns die Flüchtlinge gar nicht leisten! Viel zu teuer!

Für Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge kommen Länder und Kommunen auf. Der Bund gibt dieses Jahr eine Milliarde Euro dazu. Der Landkreistag rechnet dieses Jahr mit Kosten bis zu 8 Milliarden Euro und etwa 10.000 Euro je Asylbewerber. Bund, Länder und Kommunen haben im ersten Halbjahr 2015 rund 21 Milliarden Euro Steuern mehr eingenommen als erwartet. Wegen der Flüchtlinge wird also keine Kita und keine Sozialwohnung weniger gebaut.


Vorurteil: Familien wären okay, aber da kommen doch fast nur junge Männer.

Es kommen mehr junge Männer nach Deutschland als Familien. Die Einreise in die EU als Flüchtling ist auf legalem Weg praktisch unmöglich. Sie müssen sich Schleppern auf der Landroute oder dem Seeweg anvertrauen. Das ist eine unvorstellbare Tortur. Deswegen schicken Familien in den Heimatländern häufig den Stärksten auf den Weg - im Regelfall sind das junge Männer. Werden sie als Asylberechtigte und Flüchtlinge anerkannt, können sie ihre Familien unter bestimmten Voraussetzungen nachholen und so aus der Not befreien.
 
Vorurteil: Das sind keine Flüchtlinge, sondern nur Wirtschaftsschmarotzer, die hier Sozialleistungen abgreifen wollen!

Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragen, müssen belegen, dass sie wegen ihrer “Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe" in ihrer Heimat verfolgt werden. Wer Asyl sucht, kämpft oft um das Überleben, weil im eigenen Land Krieg herrscht, Verfolgung droht oder die Existenz in Gefahr ist. Mit Abstand die größte Gruppe unter den Asylsuchenden in Deutschland sind Flüchtlinge aus dem syrischen Bürgerkrieg. Asylbewerber aus Staaten, die als sicher eingestuft werden, haben so gut wie keine Chance, hier zu bleiben.

 
Vorurteil: Asylbewerber sind krimineller als Deutsche

Fakt ist ...
Polizei-Statistiken zeigen, dass weder die Kriminalität rund um Flüchtlingsheime steigt, noch dass Menschen nicht-deutscher Herkunft krimineller sind als Deutsche. Wahr ist, dass in allen Gesellschaftsgruppen Straftaten begangen werden.

 
Vorurteil: Flüchtlinge bekommen mehr Geld als Harz IV Empfänger!

Asylbewerber in Deutschland müssen mit weniger Geld auskommen, als in Deutschland als Existenzminimum gilt. Ein Hartz-IV-Empfänger bekommt 399 Euro pro Monat. Asylbewerber in Deutschland bekommen zwar eine Unterkunft, Essen und ein kleines Taschengeld, die Summe all dieser Leistungen liegt aber zwischen 287 und 359 Euro pro Monat und damit unter dem Hartz-IV-Satz.

 
Vorurteil: Flüchtlinge tun den ganzen Tag nichts, sitzen nur herum und faulenzen!

Viele erwachsene Flüchtlinge kommen nach Deutschland, um Arbeit zu finden, damit sie ihre Familien zu Hause ernähren können. Sie sind lernwillig und vielseitig einsetzbar. Nicht wenige verfügen über eine gute Ausbildung oder ein Studium. Das Problem: Laut dem Asylbewerbergesetz dürfen sie nicht sofort arbeiten. Erst nach drei Monaten und das auch nur wenn kein Deutscher oder EU-Ausländer mit gleichen Qualifikationen gefunden wurde. Das nachzuweisen ist schwer, deshalb schrecken viele Arbeitgeber noch vor der Einstellung eines Flüchtlings zurück.

 
Vorurteil: Flüchtlinge sind ungebildet!

Eine Umfrage des bundesweiten Flüchtlingsprogramms Xenos hat gezeigt, dass 87 Prozent der Flüchtlinge eine Schule besucht haben. 42 Prozent haben eine Berufsausbildung und zehn Prozent haben studiert. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen würden Flüchtlinge gerne als Auszubildende haben. Denn laut den Arbeitgeberverbänden können allein im Handwerk 60.000 Lehrstellen nicht besetzt werden.

 
Vorurteil: Die nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg!

Noch nie gab es so viele Arbeitsplätze in Deutschland. Das Statistische Bundesamt zählte zur Jahresmitte fast 43 Millionen Erwerbstätige - Tendenz steigend. Gleichzeitig sind viele offene Stellen gemeldet. Wenn mehr Menschen arbeiten und Steuern zahlen, kommt das auch dem Staat und damit dem Steuerzahler zugute. Bei einfachen Tätigkeiten kann sich der Wettbewerb um Arbeitsplätze natürlich verschärfen. Deswegen ist es wichtig, dass gut ausgebildete Flüchtlinge nicht unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten müssen.

 
Vorurteil: Deutschland wird von Asylbewerbern regelrecht geflutet!

Deutschland hat im vergangenen Jahr 203.000 Asylbewerber registriert. In dem Jahr wurden 129.000 Anträge entschieden, davon aber lediglich rund 40.500 zugunsten der Asylsuchenden. In diesem Jahr rechnet die Bundesregierung mit 800.000 Asylbewerbern. Als Flüchtlinge anerkannt werden aber in der Regel nur Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea und Somalia.

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